Dr.  Albert Hellmeier

Tierarzt - Homöopathie

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Kastration/Sterilisation

Die Kastration, die operative Entfernung der Gonaden (Hoden oder Eierstöcke), ist in meiner Praxis ein Routineeingriff, der nicht nur unerwünschten Nachwuchs verhindert, sondern gleichzeitig das Zusammenleben von Tier und Mensch erleichtert.

· Katze

Wer mit seiner Katze nicht züchten will, sollte sie unbedingt kastrieren lassen. Eine unkastrierte weibliche Katze wird in regelmäßigen Abständen rollig. Durch Zysten an den Eierstöcken kann es sogar zu einer Dauerrolligkeit kommen, die nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Besitzer alleine schon durch die Lautäußerungen und die Unruhe sehr belastend ist. Außerdem werden unerwünschte Trächtigkeiten verhindert.
Bei Katern sorgt die Kastration dafür, dass sie ihren penetranten Geschlechtsgeruch verlieren und Freigänger nicht mehr so viel herumstreunen. Dadurch sinkt Gefahr, dass sie unter die Räder kommen, wie auch die Gefahr von Bissverletzungen bei Revierkämpfen oder das Risiko einer Infektion mit FIV oder Leukose.

Die Kastration bei weiblichen Katzen kann ab einem Alter von etwa fünf bis neun Monaten erfolgen, spätestens mit dem Einsetzen der Geschlechtsreife: Diese ist leicht durch die erste Rolligkeit zu erkennen.
Bei Katern muss nicht auf das sogenannte Markieren gewartet werden. Die Kastration kann nach abgeschlossenem Zahnwechsel erfolgen, also meist mit dem 7. Lebensmonat, bei Rassekatern später.

Nachteile der Kastration können sein:
Gewichtszunahme durch Senkung des Energiebedarfs - durch entsprechende Fütterung zu beheben.

· Heimtiere

Bei Meerschweinchen, Ratten, Chinchillas, Degus, Mäusen kann die Kastration bereits ab einem Alter von 4 Wochen durchgeführt werden. Routinemäßig werden nur die männlichen Tiere kastriert.

Kaninchen werden ab dem 4. Lebensmonat kastriert, routinemäßig ebenfalls männliche Tiere. Die Hormonfreiheit führt zu einem deutlich friedlicheren Miteinander und dem Abklingen von aggressivem Territorialverhalten (auch für Sie wichtig, z.B. beim Greifen in den Käfig).

· Hund männlich

Ohne besonderen Grund raten wir nicht zur Kastration, da ein hormonloser Rüde als ein "Neutrum" Probleme mit seinen Artgenossen im Alltag bekommen kann (Aggression gegen den Kastraten). Weitere Nebenwirkungen s.u.

Empfehlenswert ist die Kastration aber bei therapieresistentem Vorhautausfluss (Präputialkatarrh) oder bei stark testosteronbestimmten, aggressiven Rüden. Das Verhalten kann angepasster, vermehrt sozialisierter werden.
Notwendig ist eine Kastration bei Tumoren, Prostatazysten, einer Perinealhernie (Dammbruch), oder wenn ein oder beide Hoden nicht komplett in den Hodensack abgestiegen sind (Kryptorchismus).

"Chemische" Kastration

Seit einigen Jahren gibt es die Möglichkeit, mit einem Hormon-Implantat zeitlich begrenzt die Wirkung einer Kastration zu imitieren. Dieser Medikamenten-Chip (SuprelorinR) wird wie der Mikrochip zur Kennzeichnung unter die Haut injiziert. Er enthält ein Hormon, das kontinuierlich an den Körper abgegeben wird und eine vorübergehende Unfruchtbarkeit bewirkt. Man spricht daher von einer „chemischen“ Kastration im Gegensatz zur „chirurgischen“ Kastration. Das Implantat benötigt bis zu 6 Wochen, um die volle Wirksamkeit zu erreichen. In dieser Zeit kann aber es durch einen Rebound-Effekt sogar zu einem Anstieg des Testosteron-Spiegels kommen, das unerwünschte typische Rüdenverhalten verstärkt sich.
Die Wirkdauer beträgt etwa 6 bzw. 12 Monate bei Rüden zwischen 10 und 40 kg, abhängig vom Wirkstoffgehalt des Chips. Die Wirkung kann aber auch wesentlich länger anhalten. Es fehlen laut Hersteller Langzeitdaten, die sicher belegen, dass die klinischen Wirkungen (verringerte Hodengröße, verringertes Ejakulatvolumen, verminderte Spermienzahl, verringerte Libido und Fruchtbarkeit) nach 12 Monaten vollständig reversibel sind. Die Wirkung kann sogar bis zu 2,5 Jahre oder noch länger anhalten.

Die Nebenwirkungen sind die gleichen wie bei der normalen Kastration: Haarkleidveränderung, gesteigerter Appetit, Gewichtszunahme, Harninkontinenz, Trägheit, für andere Hunde bemerkbare Geruchsveränderung und dadurch Aggression gegen den geschlechtsneutralen Kastraten. Es können auch vermehrte Unsicherheit, Ängstlichkeit, sogar gesteigerte Aggression auftreten. Der Hersteller warnt deshalb ausdrücklich: "Hunde mit soziopathischen Störungen und Episoden intraspezifischer (Hund zu Hund) oder interspezifischer (Hund zu anderen Tierarten) Aggression sollten weder chirurgisch noch mit Implantat kastriert werden."

Die Kastration eines Rüden wird oft mit völlig unrealistischen Erwartungen verbunden. Es gibt keine mühelose Lösung aller Verhaltensprobleme, weder chirurgisch noch chemisch. Nur sexuell motiviertes Verhalten kann sich bessern, nicht aber territoriale Aggression oder Jagdverhalten. Probleme, die durch Genetik, Prägung oder mangelnde Erziehung entstehen, bleiben oder verschlimmern sich. Hund bleibt Hund, Rüde bleibt Rüde.

· Hündin

Viele Vorteile ergeben sich neben dem Wegfall der Attraktivität für Rüden und der läufigkeitsbedingten Blutung für Mensch und Hündin: Tumoren an Eierstöcken, Gebärmutter, Scheide und Gesäuge wird vorgebeugt. Entzündungen, insbesondere der Gebärmutter (Pyometra), werden vermieden. Scheinträchtigkeiten kommen nicht vor.

Ich rate zu einer Kastration nach der zweiten oder dritten Läufigkeit, auch wenn einer Studie zufolge das Risiko eines Gesäugetumors durch die Läufigkeiten steigt - was aber nicht stimmt.

Die Nachteile einer Frühkastration (Kastration vor der ersten Läufigkeit) sind groß: Anhaltendes Kindlichsein mit ausgeprägtem Spieltrieb, körperliches Sich-Nicht-Weiterentwickeln, Orientierungslosigkeit bezüglich des eigenen Geschlechts und die sich daraus ergebenden Folgen im Umgang mit Artgenossen (Fehlen der „Pubertät“).

Die Kastration sollte im Hormontief zwischen zwei Läufigkeiten erfolgen.

Nachteile der Kastration können sein:
Gewichtszunahme durch Senkung des Energiebedarfs.
Eventuelle Zunahme des Unterfells und damit Ausbildung einer Art „Babyfell“ insbesondere bei seidenhaarigen Rassen (Langhaardackel, Cocker Spaniel, Irish Setter o.ä.).
Vermehrte Neigung zu Harninkontinenz bei kurzhaarigen Rassen und ab einem Körpergewicht von 20 kg. Hier gibt es aber gute Behandlungsmöglichkeiten.

Sterilisation als Alternative zur Kastration

Darunter versteht man die Unterbindung der Samenleiter bei den männlichen bzw. der Eileiter bei den weiblichen Tieren. Da die Gonaden im Körper verbleiben, wird der Hormonstatus des Tieres nicht verändert. Katzen werden weiter rollig, Hündinnen weiter läufig und scheinträchtig, Kater markieren und stinken weiter, sie behalten ihr Territorium und streunen und decken weiter. Der Übertragung von Krankheiten wird nicht vorgebeugt. Die weiblichen Tiere können lediglich nicht mehr trächtig werden. Insgesamt also nicht empfehlenswert.

Kontakt

Hauptstraße 11
85778 Haimhausen
Tel. +49-8133-2028

Mittwoch 02 Dezember, 2020

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