Dr.  Albert Hellmeier

Tierarzt - Homöopathie

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FIP

Die Feline Infektiöse Peritonitis (FIP) ist eine Infektionskrankheit der Katzen.

Der Name leitet sich von der häufigsten klinischen Manifestation, einer Bauchfellentzündung (Peritonitis) ab. Allerdings kann auch das Brustfell betroffen sein, weshalb auch der Name Feline Infektiöse Peritonitis und Pleuritis verwendet wird. Außerdem gibt es ein Krankheitsbild ohne jede Beteiligung der Serosa (Auskleidung der Körperhöhlen). In welcher Form die Krankheit auftritt, hängt letztendlich vom Immunstatus der Katze ab.

So steckt sich die Katze an

Die Ursache für die FIP ist ein hoch virulentes Coronavirus, das heute korrekt nur noch als Felines Coronavirus (FCoV) bezeichnet wird.

Coronaviren sind weit verbreitet. Mehr als 50% aller Katzen scheiden Coronaviren aus (hauptsächlich über den Kot) oder haben Antikörper gegen sie. Viele Tiere sind dabei völlig gesund. Sie können aber für Wochen bis Monate phasenweise Coronaviren ausscheiden und werden so für andere Katzen zur Infektionsquelle.
Da wild lebende Katzen meist Einzelgänger sind, sind Wildtiere deutlich seltener infiziert. Eingefangene verwilderte Hauskatzen sind zu etwa 10% seropositiv, nach wenigen Wochen in einem Tierheim dagegen fast 90% der Tiere.

Von der Darminfektion zu FIP

Lebt eine Katze mit anderen Katzen zusammen oder trifft sie andere Katzen beim Freilauf, nimmt sie das Virus beim Scharren in der Katzentoilette oder durch Beschnüffeln und Belecken (auch Gegenstände und Kleidung) über Maul und Nase auf. Das Virus kann nach dem Antrocknen bis zu 7 Wochen infektiös bleiben.

Das FCoV kann lediglich eine harmlose Darminfektion auslösen oder im Falle einer Mutation innerhalb der infizierten Katze zu FIP führen. 

Prinzipiell sind alle Katzenarten und Altersgruppen für FIP empfänglich. Am häufigsten befällt die Erkrankung Tiere im Alter von 6 Monaten bis 5 Jahren und ältere Tiere ab 14 Jahren.

Ist es erst einmal zu einer klinischen Manifestation der Erkrankung gekommen, endet diese in aller Regel tödlich.

Alle Faktoren, die eine Virusvermehrung begünstigen, erhöhen auch das Risiko für eine Virusmutation und damit für eine FIP. Dazu zählen Alter und Immunstatus der Katze, genetische Prädispositionen, permanente Reinfektionen in Mehrkatzenhaushalten, und Dosis und Aggressivität des Virusstammes.

Pathogenese

Die Pathogenese der Erkrankung ist bislang nicht vollständig geklärt. Die Mutation der zunächst harmlosen FCoV-Variante in die sogenannten „FIP-Viren“ erfolgt im Darm, manchmal noch Jahre nach der Infektion.
Die wesentlichen Schäden werden nicht durch das Virus selbst verursacht, sondern durch gleichzeitig frei werdende Stoffe, die Entzündungen hervorrufen. Blutgefässe sind besonders stark betroffen. Es kommt zu Störungen der Durchblutung und Durchlässigkeit der Zellen. Die Folge sind Flüssigkeitsansammlungen (Ergüsse) in Bauch- und/oder Brustraum und entzündliche, knotige Veränderungen in verschiedenen Organen.
Das Virus wird im Körper durch Fresszellen (Makrophagen) im gesamten Organismus einschließlich ZNS verbreitet. Die Katze reagiert mit einer überschießenden Immunreaktion auf die infizierten Makrophagen. Nicht das Virus selbst, sondern die Reaktion des Körpers auf das Virus führt zur Schädigung.

Bei einem Teil der Tiere bricht die Erkrankung trotz erfolgter Virusmutation aufgrund einer starken Immunreaktion nicht aus. Das Immunsystem ist bei diesen Katzen in der Lage, die infizierten Blutzellen unter Kontrolle zu halten. Diese Tiere bleiben ohne klinische Symptome, scheiden aber als latente Virusträger dieses mutierte Virus weiter aus. Bei einem Teil der Tiere wird auch eine vollständige Viruselimination vermutet.

Einen Einfluss auf die Pathogenese hat die Bildung von Antikörpern, denn diese können das Virus nicht zerstören. Mit vermehrter Antikörperbildung werden aber auch vermehrt Makrophagen aktiviert, in denen es damit zu einer weiteren Virusvermehrung kommt. Das Paradoxon, dass die eigentlich zur Bekämpfung der Krankheitserreger gebildeten Antikörper zu einer Verschlimmerung der Krankheit führen („antikörperabhängige Verstärkung der Virusinfektion“, engl. antibody-dependent enhancement), wird auch bei Viruskrankheiten des Menschen (z. B. AIDS, Denguefieber) beobachtet.

„Feuchte Form“
Bei einer schwachen Immunantwort kommt es zu einer anhaltenden Virusvermehrung im Blut (Virämie) und zur massiven Bildung von Immunkomplexen. Dies führt zu einer Blutgefäßentzündung (Vaskulitis) und zu einer Entzündung in der Umgebung der Blutgefäße (Perivaskulitis) der serösen Innenauskleidung des Körpers, die zu einem Gewebsuntergang (Nekrose) führt.
Durch die Entzündung kommt es auch zu einem Austritt von Serum und Proteinen in die Körperhöhlen und zu Fibrinablagerungen auf inneren Organen.

„Trockene Form“
Man nimmt an, dass sich diese Form bei einer weniger stark geschwächten Immunantwort entwickelt und sie eine mildere, protrahierte Verlaufsform darstellt.
Bei der „trockenen Form“ entstehen größere Knoten vorwiegend innerhalb der Organe. Es handelt sich dabei um verschmolzene Entzündungsherde, die wie bei der feuchten Form aus einer Vaskulitis/Perivaskulitis entstehen. Sie werden gelegentlich auch als „granulomatöse“ Veränderungen bezeichnet, es handelt sich aber nicht um eine echte granulomatöse Entzündung. Die Flüssigkeitsaustritte sind bei dieser Form nicht anzutreffen.

Symptome

Eine typische FIP-Symptomatik gibt es nicht. 

Die Ausbreitung des Virus im ganzen Körper erklärt die Vielzahl der Krankheitszeichen. Alle Symptome, die bei der FIP auftreten können, gibt es aber auch bei anderen Krankheiten. FIP-Verdacht besteht, wenn eine Katze über einen längeren Zeitraum apathisch ist, schlecht frisst, Gewicht verliert, Fieberschübe hat oder sich Flüssigkeit im Bauch- und/oder im Brustraum ansammelt. Bei einem Erguss in der Brusthöhle entwickelt sich Atemnot, ein Bauchhöhlenerguss fällt durch zunehmenden Bauchumfang einer meist gleichzeitig mageren Katze auf. Hinweis auf eine Leberentzündung ist eine Gelbfärbung der Schleimhäute. Manche Katzen mit FIP zeigen neurologische Erscheinungen (Krämpfe, epileptiforme Anfälle, Orientierungslosigkeit, Augenzittern, Lähmungen) oder auch Augenveränderungen (Uveitis, Hornhautveränderungen, Retinitis).

Die klinische Unterscheidung in die „feuchte“ und die „trockene“ Form ist nicht sinnvoll, weil nahezu jedes erkrankte Tier beide Erscheinungsformen zeigt, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.

Die Diagnose ist schwierig

Ob eine Katze FIP hat, ist nicht immer leicht nachzuweisen. Entgegen der weitverbreiteten Meinung gibt es in der Routinediagnostik noch keine Möglichkeit, mutierte Viren" von „harmlosen Coronaviren" zu unterscheiden. Der übliche „FIP-Test" (sog. FIP-Titer, ein Antikörpernachweis), erlaubt nur eine Aussage darüber, ob eine Katze Kontakt zu dem FCoV hatte, nicht jedoch darüber, ob sie immer noch infiziert ist und Viren ausscheidet oder ob sie FIP hat oder entwickelt.

Die am häufigsten vorkommende labordiagnostische Veränderung ist ein Anstieg des Serum-Gesamteiweißes, der bei 50% der Katzen mit Erguss und 70% der Katzen ohne Erguss vorkommt. Bei vorhandenem Erguss lässt die Rivalta-Probe eine zuverlässige und schnelle Diagnose zu. Es gibt auch einen FCoV-Antigennachweis in Makrophagen, denn nicht-mutierte Viren vermehren sich nicht in Makrophagen.

Ist FIP heilbar?

Eine einmal ausgebrochene FIP ist nicht heilbar. Die meisten Katzen sterben innerhalb von 8 Tagen nach dem ersten Auftreten klinischer Symptome. Eine Behandlung der Symptome kann das Krankheitsbild mildern, manchmal sogar für mehrere Monate. Bei der eindeutigen Diagnose FIP ist es aber in den meisten Fällen besser, die Katze einzuschläfern, um ihr Leiden nicht unnötig zu verlängern.

Was kann man sonst tun?

Einen sicheren Schutz gegen FIP gibt es nicht.

Die Impfung ist umstritten, ihre Wirkung ist nicht ausreichend belegt und sie wird deshalb auch von der Medizinischen Kleintierklinik der LMU München nicht empfohlen. Bei der Impfung wird der Impfstoff in die Nase der Katzen eingetropft. Das Impfvirus kann sich nur im Nasen-Rachen-Raum (bei 31°C) vermehren, nicht aber im restlichen Körper (38-39°C). Die Impfung hat zum Ziel, hier an der Eintrittspforte eine Schutzbarriere gegen die Coronaviren aufzubauen und so ihr Eindringen in den Körper zu verhindern.

Allgemein vorbeugende Maßnahmen

Eine Katze, die Kontakt zu anderen Katzen hat, kommt früher oder später auch mit Coronaviren in Berührung. Ob sich die Katze mit FCoV infiziert hat (nicht ob sie FIP hat), lässt sich mit dem bereits oben erwähnten „FIP-Test" feststellen, bei dem Antikörper gegen FCoV nachgewiesen werden. Will man zu einer Wohnungskatze, die im FIP-Test negativ ist, eine weitere dazu nehmen, kann die neue Katze getestet werden, um zu vermeiden, dass sie Coronaviren mitbringt.

In jedem Mehrkatzenhaushalt sollte versucht werden, die Ausbreitung von Coronaviren und Reinfektionen zu minimieren durch Verminderung des Infektionsdruckes innerhalb des Katzenbestandes. Das Prinzip besteht darin, die potentiell krankmachenden Coronaviren lediglich so weit wie möglich auszudünnen und ist mit einfachen hygienischen Methoden bereits durchführbar. Als mögliche Maßnahmen werden empfohlen:

  • Aufstellen möglichst vieler Kotkisten, welche mehrmals täglich gereinigt werden sollten
  • wenn möglich Verwendung immer der gleichen Trink- und Futtergefäße und deren tägliche Reinigung
  • Haltung der Katzen in Kleingruppen von bis zu 4 Tieren
  • Entfernung von starken Virusausscheidern aus der Gruppe
  • Muttertiere 2 Wochen vor dem Wurf aus der Gruppe entfernen und separate Aufzucht der Jungtiere.

Hat eine Katze in einem Haushalt mit mehreren Katzen FIP oder steht unter FIP-Verdacht, stellt sich die Frage, ob sie von den anderen Katzen getrennt werden muss. Wurden die Tiere bereits vor dem Auftreten der ersten Symptome länger gemeinsam gehalten, ist eine Trennung nicht nötig, da die FIP-kranke Katze bereits vor Beginn der klinischen Symptome Coronaviren ausgeschieden hat und die anderen Katzen so bereits Kontakt zu den Viren hatten. Die Gefahr, dass eine der anderen Katzen FIP entwickelt, ist nicht höher als bei einer Coronavirus-Darminfektion (5%; bei immungeschwächten und jüngeren Katzen etwas höher), da das bereits mutierte Virus nicht übertragen wird.
Allerdings sollten Stress (z.B. Operationen, Trächtigkeit, Besitzerwechsel) vermieden werden. Vielen Katzen gelingt es, eine Coronainfektion im Verlauf von Monaten bis Jahren zu eliminieren. Ein Maximum an Hygiene ist wichtig, ein neues Tier sollte nicht aufgenommen werden.

Ist eine einzelne Katze an FIP gestorben, sollte nach gründlicher Reinigung und Desinfektion sicherheitshalber eine dreimonatige Wartefrist eingehalten werden, bevor eine neue Katze in den Haushalt kommt, um das Risiko einer Ansteckung zu minimieren.

Zitiert u.a. aus: Prof. Dr. Katrin Hartmann, Dr. Bianca Stützer, in: TierarztNews, Ausgabe 2, März/April 2014 und wikipedia.org/wiki/FelineInfektiösePeritonitis


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Dienstag 11 August, 2020

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